Blues, Rock & Boogie Keyboard M.-H. Galpérin
    Blues, Rock & Boogie Keyboard      M.-H. Galpérin    

Kleine Übersicht aus den Jahren

"Gib ihm Strom, sonst spiele ich nicht..."

Bremen, "Jazzclub", Up den Höfen, Mai 1976

Boogie Woogie? Davon hatte ich wortwörtlich noch nichts gehört, als ich mit Freunden das Konzert von Vince Weber besuchte. Ich spielte ja selbst Klavier, hatte aber bislang nur mit Klassik zu tun gehabt. Als wir ankamen, stand er in seinem so typischen Outfit vor dem Club und spielte Blues auf einer Dobro-Gitarre und sang dazu. Ich hatte mich einfach mit meinem Tonbandgerät bewaffnet in der Hoffnung, dass ich den Auftritt aufnehmen könnte. Ich fragte Vince, ob ich das dürfte. Obwohl wir uns gar nicht kannten, hat er ohne zu Zögern ja gesagt. Ich fragte also in dem Club, ob ich für das Gerät Strom haben könnte. Da bekam ich irgendeinen blöden abweisenden Spruch zu hören. Ich berichtete Vince davon, dass es mit den Aufnahmen wohl nichts werden würde mangels Strom. Dann geschah das Unglaubliche: Vince ging in den Club und sagte kurz und unmißverständlich: "Gib ihm Strom, sonst spiele ich nicht...". So war er und so habe ich ihn immer wieder erlebt: spießiges Gehabe konnte er nicht ausstehen und reagierte darauf unmissverständlich. Mir wurde dann mißmutig das Stromkabel auf die Bühne geworfen. Für uns stets klamme Jugendliche gab es allerdings den angenehmen Nebeneffekt, dass wir keinen Eintritt bezahlt haben, denn wir galten fortan als Entourage von Vince.

 

Also nahme ich das Konzert auf. Drei Sets in einer Gesamtlänge von 2 Stunden. Das Konzert war fantastisch, die Publikum tobte und ich war fasziniert von diesem Musiker, der Musik und dem Erlebnis überhaupt. In einer Pause kam Vince, um in die Aufnahmen reinzuhören. Ich gab ihm die Kopfhörer und startete das Band. Er sagte: "...nicht gut". Ich merkte dann, dass ich eine falsche Bandgeschwindigkeit eingestellt hatte. Als das korrigiert war, war er auch zufrieden. Am Ende des Konzerts drückte er mir noch einen 20-DM-Schein in die Hand für eine Kopie, die ich ihm natürlich schickte. Er sagte aber auch mit seiner so typisch rauchigen Stimme halb im Scherz, aber doch deutlich: " Wenn Du die Aufnahmen für andere kopierst, erwürg' ich dich!" An die Aufnahmen hat er sich vor ein paar Jahren erinnert und ich konnte ihm dann noch eine digitalisierte Fassung geben.

 

Für mich war das Konzert die Initialzündung mich selbst mit diesem Stil zu beschäftigen und so führte dieser Abend zu einer wichtigen Weichenstellung in meinem Leben: Richtung Piano-Boogie-Woogie und Blues. Hat es Dich erwischt, lässt es Dich nicht mehr los. Vince Weber und etwas später Axel Zwingenberger wurden für mich schnell wichtiger als Deep Purple, T. Rex und Uriah Heep zusammen.

Danke lieber Vince und liebe Annette für Eure Freundschaft - ich werde Vince nie vergessen.

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© EuLE Music, Antje Galperin